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Milch und Honig aus Rotfront

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Milch und Honig aus Rotfront

Milch und Honig aus Rotfront

 

 

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2000, Kino-Dokumentarfilm, D/KYG, Regie / Buch: Hans-Erich Viet, 116 Min., 35 mm, s|w
Die Bewohner des kirgisischen Dorfs Rotfront sind mennonitische Nachkommen, einer aus Ostfriesland stammenden Glaubensgemeinschaft. Sie sprechen Plattdeutsch und nicht nur der Geschmack der Leberwurst erinnert an die Wurzeln ihrer Kultur.

Produktion Schwering & Viet-Filmproduktion (ICON FILM und Viet-Filmproduktion)
Sender ZDF /Das kleine Fernsehspiel
gefördert von Filmbüro NW, Kulturelle Filmförderung Niedersachsen
Weltpremiere Berlinale / Inernationales Forum 2000
Preise 2001 Deutscher Filmpreis / nominiert als Bester Dokumentarfilm

Inhalt


Der Film MILCH UND HONIG AUS ROTFRONT erzählt, warum die deutschstämmigen Bewohner aus dem Dorf Rotfront in Kirgisien bleiben, um sich nach der politischen Öffnung dort eine neue Existenz auf-zubauen - oder aber warum sie auch nach Deutschland auswandern.
Die Deutschlehrerin Ida ist erst vor wenigen Jahren aus Kasachstan nach Rotfront gekommen. Eine eigene Kuh ist für sie und ihren Mann überlebensnotwendig. Der Viehzüchter Rudolf Koop träumt davon, den gemieteten Stall in Rotfront zu kau-fen. Er will ihn umbauen und seinen Viehbestand erweitern. Sein Bruder Adolf Koop ist den Kindern nach Detmold gefolgt. Im Weserbergland baut er ein eigenes Haus, aber er sehnt sich nach der Weite der kirgisischen Steppe. Der selbständige Schlachter Andreij Wiebe verwirklicht sich sein Traumhaus in Rotfront. Und Abraham Falk ist Chef der Genossenschaft und kümmert sich darum, daß die Geschäfte in Rotfront gut laufen.
In Deutschland sind sie fast alle schon gewesen. Aus Deutschland bekommen sie auch finanzielle und sachverständige Unterstützung. Ihre handwerklichen Fertigkeiten sind in der Dorfgemeinschaft elementar. Das Leben ist ursprünglich. Fleisch kauft man nicht im Supermarkt, statt dessen werden Tiere zur Selbstversorgung aufgezo-gen. Besonders wichtig ist der Zusammenhalt der Dorfbewohner. Heimat ist da, wo das eigene Haus steht und die Familie lebt. Umso schmerzhafter empfinden die Menschen die Trennungen, die quer durch ihre Familien gehen. Die Glaubensgemeinschaft der Mennoniten zeichnet sich durch ein starkes Ge-fühl der Verbundenheit aus, das mittlerweile auch auf andere Be-wohner Kirgisiens seinen Reiz ausübt.
MILCH UND HONIG AUS ROTFRONT erzählt nicht nur von Heimatgefühlen zwischen Himalaja und Weserbergland. Der Film betrachtet auch deutsche Traditionen und Gepflogenheiten aus einer ganz neuen Perspektive.

Stab

BUCH / REGIE Hans-Erich Viet
KAMERA Thomas Keller
TON Hubertus Müll
SCHNITT Anne Fabini
REDAKTION Hans Kutnewsky, ZDF / Das kleine Fernsehspiel
AUSFÜHRENDER PRODUZENT Herbert Schwering

Hintergrund

Auf einer Reise deutscher Filmemacher durch die zentralasiatischen Republiken Kirgisien und Kasachstan im Mai 1995 entstand die Idee zu dem Film MILCH UND HONIG AUS ROTFRONT. In einer „Deutschen Filmwoche" wurden dort eigene Produktio-nen und Filmreihen vorgestellt - mitten in der asiatischen Steppe, wo Menschen leben, die sich ganz selbstverständlich auf deutsch unterhalten. Viele sind Bewohner aus dem Dorf „Bergthal“ mit dem offiziellen Namen „Rotfront", ein Erbe Stalins. Die Hälfte der Dorfbewohner ist deutschstämmig, und fast alle gehören der mennonitischen Glaubensgemeinschaft an. Diese Minderheit spricht Plattdeutsch, das dem Besucher den Eindruck erweckt, nicht nur Tausende von Kilometer zurückgelegt, sondern auch eine Zeitreise an den Anfang des 20. Jahrhunderts unternommen zu haben. Der Eindruck wird durch die alltäglichen Verrichtungen der Menschen verstärkt: Es entsteht das Bild einer ganz anderen deutschen Kultur, die sich zusammensetzt aus der Bewahrung von Überliefertem und der Anpassung an die neue Heimat.
Die Einladung von einer jungen Familie - die Eltern Anfang dreißig, zwei Kinder von drei und fünf Jahren - führte dann zur ursprünglichen Idee des Films: Deutsche Gemütlichkeit und selbstgemachte Leberwurst erinnerten den Fil-memacher Hans-Erich Viet an seine eigene Kindheit in Ostfriesland. Im Gespräch stellte sich heraus, dass Frau Keller eine Zwillingsschwester hat, die auch in Rotfront aufgewachsen ist. Sie zog vor einigen Jahren mit ihrem Mann nach Deutschland und lebt heute in der Nähe von Detmold. Mit dem Augenmerk auf die weit voneinan-der entfernt lebenden Zwillingsschwestern sollte der Film ihre unterschiedlichen Kulturen beleuchten. Bis jedoch die Finanzierung des Films endgültig feststand, waren Frau Keller und ihre Familie ebenfalls nach Detmold gezogen und das Filmkonzept schien bereits überholt. Um das Porträt der Rotfront-Bewohner zu ermöglichen, sind nun die beiden Brüder Rudolf und Adolf Koop, Onkel der Keller-Schwestern, von denen einer in Rotfront lebt, während der andere jeden Sommer aus Detmold zurückkommt, um den Verwandten behilflich zu sein, zu wichtigen Hauptfiguren geworden.